Leserbrief

Neckarkanal im Abendlicht -Leserbrief

2020.12.01 Leserbrief von Silke Heinz und Geli Lösch, veröffentlicht am 28.12.2020 im „Mannheimer Morgen“

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir möchten mit diesem Leserbrief unsere große Sorge zum geplanten Radschnellweg entlang des Neckarkanals in Ilvesheim ausdrücken. Wir wissen, anderen Bewohnern in unserer Umgebung geht es auch so. Daher haben wir uns entschlossen diesen Brief zu schreiben und bitten um Veröffentlichung.

Mit vielen anderen sind auch wir, beide Anwohnerinnen am Neckarkanal, begeisterte Fans des Weges entlang dieser Wasserstraße am Neckarkanal. Es ist ein wunderbar erholsamer Weg nicht nur für uns chronisch Kranke sondern auch für viele andere: Familien, Kinder groß und klein, körperlich eingeschränkte Menschen und Senioren mit Rollatoren oder in Rollstühlen, Gassigänger, Jogger, Kleinkindergruppen, die den Spielplatz am Neckarufer besuchen, Radfahrer und ja, zuweilen auch rücksichtslose Schnellradfahrer.

Viele Senioren aus den anliegenden Seniorenheimen nutzen den Weg entlang des Kanals zum Spazieren, zum Schauen, Anhalten und Ausruhen auf den viel zu wenigen Bänken wie auch zum Reden, untereinander oder mit Vorübergehenden. Es ist eine entspannte Atmosphäre, man sieht sich und trifft sich dort zuweilen, auch Jugendliche, und gerade jetzt zu Coronazeiten.

Viele Senioren, die kein Auto haben und/oder nicht mehr so weit laufen können ist es ein ganz wichtiges, vielleicht das einzige Erholungsgebiet. Gleiches gilt für Menschen, die zu wenig finanziellen Mittel haben (ja, auch die gibt es in Ilvesheim) an einen anderen Ort zu fahren.

Wir können hier eine vielfältige Tierwelt sehen und beobachten: Enten, Schwäne und Gänse, Vögel aller Art, abends fliegen Fledermäuse, die Nachtigall singt, Eulen rufen.
Es ist auch ein besonderes Kleinklima entlang des Kanals und das tut nicht nur luft-, sondern auch lärm- und stressgeplagten Menschen einfach gut.

Mit einem breiten betonierten Schnellradweg wird kaum noch Platz für uns bisherigen Nutzer sein.
Aus Sicherheitsgründen werden wohl Zäune gebaut werden müssen und die Strecke wird intensiv ausgeleuchtet werden müssen, damit den schnellen Radlern nichts passiert.
Und wo bleiben wir? Wieviel Platz wird uns noch zugestanden werden?

Warum zerstört man im Namen der Mobilitätswende Natur in einem Naherholungsgebiet und grenzt auf diese Weise die bisherigen Nutznießer, Mensch und Tier, dieses kleinen Naherholungsgebietes aus?
Diese Planung ist weder vorausschauend noch zukunftsweisend. Hier soll sehr viel Geld ausgegeben werden, das an anderer Stelle weitaus dringender gebraucht wird, gerade in diesen Zeiten.

Mit freundlichen Grüßen

Geli Lösch Silke Heinz

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